Unsichtbare Klammern

Trotz aller Fortschritte, welche die Zahntechnik in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, wird aus Kostengründen immer noch ein großer Teil der Patienten mit Klammermodellguss-Prothesen versorgt. Über die ästhetischen Nachteile einer solchen Versorgung, wenn Klammern im sichtbaren Bereich angebracht werden müssen, können viele ein leidvolles Lied singen. Das Gleiche gilt natürlich für Provisorien, die mit gebogenen Klammern hergestellt werden.
Eine wirkliche Alternative zu den hässlichen „Angelhaken“ stellte die Firma Bodensee-Dental auf der diesjährigen IDS dem Fachpublikum vor.
Das Messehighlight lautete „Unsichtbare Klammern in 30 Minuten, mit der Myerson HotShotElite.“ Die Firma hat den Vertrieb für das amerikanische System vor etwa einem Jahr für den deutschsprachigen Raum übernommen. In den USA wird die Technik schon seit mehreren Jahren angewendet.
Ziel dieser neuen Technik ist die Herstellung von Klammern aus Thermoplast, ohne den großen Zeit- und Materialaufwand bei der klassischen Verarbeitung von Thermoplasten, also die Einbettung in Küvetten und das Injizieren in Spritzgussgeräte.
Aufgrund der begrenzten Füllmenge lassen sich nur kleinere Werkstücke mit der Pistole herstellen, aber für größere Prothesen steht ja von Myerson noch das FlexPress Injektionsgerät zur Verfügung.

Ich habe die HotShotElite seit der Markteinführung im Labor und konnte die Spritzpistole mit allen Materialien von Myerson ausgiebig testen.
Dabei hat man die Wahl zwischen VisiClear (Transparentes Polypropylen), DuraFlex (Polypropylen in 4 Gingiva-Farben) und DuraCetal (Polyoxymethylen in Zahnfarben A1 – D4, drei Bleach- und drei Gingiva-Farben).
Das Anwendungsspektrum ist größer als es auf den ersten Eindruck erscheint. Von Klammern, Zahnfleischklammern, Langzeit-Provisorien (bis max. 3 Glieder) aus DuraCetal oder als Kombination Thermoplast-Klammern und Basis aus PMMA bis hin zu Zahnfleischmasken in der Implantat-Technik.

Das größte Anwendungsgebiet in meinem Labor ist die Versorgung mit Provisorien für Schaltlücken. Der Patient wurde mit Implantaten versorgt, während der Einheilphase bekommt er ein Provisorium zur Stabilisierung des Restgebisses. Hier hat man nun die Möglichkeit, die Klammern aus transluzentem VisiClear oder aus zahnfarbenem DuraCetal herzustellen. Die Klammern werden lediglich in Wachs modelliert, anschließend eine Abformung aus Knetsilikon hergestellt und in diese Hohlform wird dann das Thermoplast injiziert.

Bei der Verarbeitung der Myerson Thermoplaste sehe ich die Vorteile gegenüber Nylonmaterialen in den Materialeigenschaften. Das Material lässt sich mit normalen kreuzverzahnten Fräsen und Schmirgelpapier bearbeiten und mit Bimsmehl vorpolieren, wie wir es von PMMA gewohnt sind. Lediglich für den Hochglanz benötigt man eine spezielle Hochglanzemulsion.
Zahntechniker sind Tüftler und Visionäre, zumindest die meisten, die ich kenne. Wer mit der HotShotElite arbeitet, der kommt auf Ideen. Zum Beispiel kam mir die Idee zur Herstellung von Außenteleskopen. Mit ein paar zu beachtenden Parametern lässt sich für den Patienten, wenn die Tests weiter positiv verlaufen, eine kostengünstige Zweit- oder „Reiseprothese“, beispielsweise als Coverdenture herstellen.
Die Zweitprothesen, die ich mit dieser Methode hergestellt habe, sind seit etwa einem Jahr in Verwendung. Aus diesem Grund kann ich noch nicht über eine für mich ausreichende Langzeiterfahrung berichten. Die Patienten sind über das Material von ihren Behandlern informiert worden und waren bereit, uns über die Trageeigenschaften und eventuellen Verschleiß in Abständen zu berichten.

Jörg Smeets(06/2013)